Landung in der Ymersbukta mit dem Esmarkbreen (norw. Breen = Gletscher)

erlebt von Leonore
Dienstag, der 19.07.2005
Um 9 Uhr gab es Frühstück in der Ymersbukta und so gegen 12:30 Uhr waren wir alle an Land und begannen unsere erste große Wanderung Richtung Gletscher. Ich habe das Gefühl, über den Mond zu laufen, wenn da nicht ab und zu Wasserlachen wären, Matschlöcher, Moos und ein paar Blümchen. Der Schutt gehört zu einem abgetauten Gletscher, der die Steine vor langer Zeit zermalen hat. Überhaupt kann man alle Stadien des Zerfalls finden: Große Steinbrocken, die dem Gletscher entgangen sein müssen, dann Steine, die schon erste Risse zeigen und zu sehen ist dass große Splitter abgebrochen sind. Dann Steine, die in viele kleine Trümmer zerfallen sind und dann gibt's noch Haufen, denen man anssah, dass die Krümel und der Staub mal ein Stein gewesen sein müssen. Die drei Blumenarten sind sehr unterschiedlich. Einmal gibt es den Polarmohn, der auf zarten Stengeln von zitronen- bis butterblumengelb blüht, und dann wieder handhohe, grüne Blätterpolster auf denen rosa oder lila Blüten stecken. Natürlich gibt es noch mehr Pflanzen, dass waren aber, neben den rostroten Flechten und Moosen, die einzigen, die mir hier aufgefallen sind. Je weiter wir liefen, um so weniger Pflanzen gab es, und bald sahen wir nur noch Steine und Sand. Und dann standen wir am Gletscher. Links war noch der letzte Rest eines toten (traurig seinem Ende endgegen tauenden) Gletschers zu sehen, über den man gefahrlos laufen konnte. Er bewegt sich nicht mehr, hat also keine Spalten und die Oberfläche war so riffelig und rauh, dass man gut Halt finden konnte. In all den Ritzen rauschte Schmelzwasser und glitzerte in der Sonne. Gabriel, Kalle und Jürgen liefen unterhalb des Gletschers lang, wo das Wasser, dass unterhalb des Gletschers heraus floss, eine Höhle ausgewaschen hatte, unten Sand, Kiesel und Matsch und oben Eis. Auch waren die drei die ersten, die eine ganze Robbe gesehen haben (nicht nur den Kopf wie im Hafen von Longyaerbyen). Sie lag auf einer Eisscholle in der Sonne und schaute träge in die Gegend. Und dann standen wir alle vor dem Gletscher, zu dem wir wollten. Zum Größenvergleich kam auch prompt die "Nordsyssel", ein Motorschiff, angefahren und fuhr ziemlich nah an ihn heran. Die Gletscherwand schimmerte in allen Blautönen und blendendem Weiß. Als wir uns halbwegs sattgesehen und die Fotographen genug fotographiert hatten, scharten wir uns um Wenzel und Finder. Sie unterbreiteten uns den Vorschlag, die Gruppe in eine schnelle und eine langsame zu trennen, weil wir uns sonst zu weit von einander entfernen würden und gegen Eisbären keine Chance mehr hätten. Gesagt, getan. Wir drei schlossen uns der schnellen Gruppe an und wurden von York mit dem Schlauchboot abgeholt. Nach sieben Stunden Wanderung waren wir ganz schön fertig. Ich frage mich, wie die Fotographen das ausgehalten haben, mit ihrem tonnenschweren Gepäck auf dem Rücken. Zum Glück gab es dann bald lecker Abendbrot. Ich muss mal eben alle Essenorganisatoren loben, es war wirklich immer gut und reichlich da!