Walrosse sind sehr geruhsame Zeitgenossen.

Wir haben uns in Nyalesund bei den Mitarbeitern der Koldeweystation des Alfred-Wegener-Instutes erkundigt, ob es die Möglichkeit gibt, irgendwo auf unserer Route lebenden Walrossen zu begegnen. Sie meinten, wenn überhaupt, dann am Ufer der Ferskvassbukta vor der Richardlagune. Also hievten wir den Anker und fuhren die paar Meilen von Nyalesund dorthin und gingen etwa 1 1/2 sm vom Strand entfernt vor Anker.
Es war heller Tag, als wir dort eintrafen. Eine Gruppe unserer Leute machte sich auf Erkundung ins Land auf. Sie wurden mit dem Schlauchboot an das innere Ufer der Lagune gebracht und begaben sich auf eine größere Wanderung. Unter der sachkundigen Anleitung unseres Biologieprofessors Hans wurden verschiedene Polygonboden Areale entdeckt und fotografiert.
York, Gabriel und ich unternahmen eine längere Tour mit dem Schlauchboot entlang der Küste. Wir suchten Walrosse, konnten aber nichts entdecken außer einigen großen Steinen.
Als wir die Wandergruppe holen wollten, stellte sich heraus, dass die Ebbe den Eingang in die Lagune für das Boot unpassierbar gemacht hatte. Es blieb nur die Wahl einen Umweg von etwa 4 Stunden Dauer zu machen oder durch das Eiswasser zu waten. Hans hatte Wathosen an und machte den Pfadfinder. An der schmalsten Stelle war der Ebbstrom so stark, dass er fast umgeworfen wurde. Es musste also an einer breiteren Stelle mit geringerer Strömung versucht werden. Gut war noch, dass im glasklaren Wasser jeder Stein oder ein anderes Hindernis gut zu sehen war. Es wurden die Beinkleider abgelegt und dann watete die ganze Truppe durch das Eiswasser. Es ging gut, und bald hatten alle Teilnehmer ausnehmend heiße Füße.
Nach dem Abendessen entschlossen sich einige Fotografen und Finder dazu, an Land zu übernachten, um die Tiere kommen zu sehen, falls sie kamen.
Wir an Bord gebliebenen hielten die Routinewachen, aßen und schliefen wie gewöhnlich und feierten mit Hans und der Gitarre bis in die späte Nacht.
Als ich am Morgen gegen 7.00Uhr an Deck kam, schien mir am Strand eine Veränderung vorzuliegen. Da lagen größere Steine an einer Stelle, an der am Abend nichts gelegen hatte. Aber selbst mit dem Fernglas war nichts genaues zu erkennen. Ich versuchte, meinen Feldstecher als Teleobjektiv für die Digi-Kamera zu verwenden. Es klappte nach meheren Experimenten ohne Stativ und andere Hilfsmittel so gut, dass ich mir einbildete, weiße Hauer erkennen zu können. Ich glaubte an eine tolle Entdeckung und alarmierte die Landgruppe per Sprechfunk.
Da kam ich gut an, sie hatten die Tiere in der Nacht kommen sehen und beobachtet, wie sie mit der Flut so hoch wie möglich aufschwammen und dann das Ablaufen der Ebbe abwarteten. So lagen die Tiere auf dem Trockenen und ließen sich von der Sonne wärmen.
Nach einem raschen Frühstück booteten auch wir alle aus und verstärkten die Beobachtergruppe durch unsere Anwesenheit. Alle schlichen und versuchten unsichtbar und geräuschlos zu sein, dabei waren der Wind und das Klappern der Kiesel in der Brandung so laut, dass man ohnehin sein eigenes Wort kaum verstand. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass so kleine Lebewesen wie wir diesen Riesen von 2000kg Lebendgewicht keinen besonderen Eindruck machten. Wir konnten also nach Herzenslust fotografieren und filmen, ohne dass die Tiere sich im geringsten gestört fühlten. Nach vielen Stunden meinte York dann, wir sollten uns zufrieden geben und wieder an die Weiterreise denken. Es war nicht leicht und bedurfte einiger beherzter Worte, um den Abschied von den sanften Riesen einzuleiten. Aber nach ein, zwei Stunden war die ganze Mann- und Frauschaft wieder an Bord und weiter ging es, durch den Vorlandsund zurück in Richtung Isfjord-Grönfjord- Barantsburg, zur russischen Eismeerstadt.