Abenteuer im Raudfjord
Freitag, 22.07.2005 :
Es ist 4.15Uhr, Onno hält die Ankerwache, da kann ich weiterschlafen.
Erwache erneut gegen 6.00, suche mir frische Wäsche aus dem Koffer und
übe, wie man sich in 2l Wasser badet ... es geht tatsächlich. Liege um
6.40 sauber und duftend wieder im Nest. Es regnet. Schlafe bis 8.30,
frühstücke und bereite mich auf die zweite große Landtour vor.
Wir werden 7 Stunden am Stück unterwegs sein.
Um 11.00 ausbooten,
Raudfjordhytta...
Trapperhütte,
Grab, Hügel mit
Grab des Skippers Eric Hamilaus
af Tromsö, weiter über einen halbhohen
Berg richtig hoch hinauf,
ich hoffe die Bilder geben die Eindrücke
besser wieder als ein Text das könnte. Dann runter, Mittag-Abendessen
kochen, essen, Anker auf und tiefer in den Fjord zum
Gletscher,
mit dem Schiff ziemlich dicht heran, fotografieren und wieder mit
nördlichem Kurs Richtung Fjordausgang zu einem weiteren sehr
aktiven
Gletscher.
Hier können wir nicht ankern, der Untergrund ist ungeeignet. Also
hat jede Bootsbesatzung genau so lange Zeit (ca 15-20 min) für den
Gletscher wie das Schlauchboot braucht, um die Nächsten zu holen.
Wir beeilen uns also über den vorgelagerten Schutt- und Schlammberg zu
kommen. Da liegt in einer nassen Stelle mittendrin ein größerer
Stein. Als ich diesen als Tritt zum Hinüberspringen benutze, sinke
ich in Sekundenschnelle bis zum Schritt ein. Ich halte die Kamera hoch
und wühle mich aus dem Tonbrei. Erstaunlicherweise hat der Tonschlamm
meine Stoffhose nicht nur total beschmutzt, sondern auch abgedichtet.
Ich brauche später das Unterzeug nicht zu wechseln, sondern nur
auszustauben. Auch die Arbeitsschuhe haben sich prima bewährt,
meine Füße bleiben im Wesentlichen trocken. Im Moment war mir aber
elend zu Mute. Ich sah aus wie ein Schwein nach der Suhle, konnte
nicht zum Wasser, da ich beim Bärenjäger bleiben musste und war also
ziemlich konfus. Dann fiel mir aber ein, dass die Zeit hier nur sehr
begrenzt war, ich suchte einen anderen Weg zum Gletscher und konnte
noch ein paar brauchbare Fotos machen. Ich sah den Gletscher ein
Kälbchen gebären und hatte zurück an Bord gutmütiges Gelächter und
Spott ganz für mich. Nils half mir Seewasser schöpfen und meine
Hose an Deck schrubben. Später spülten wir gründlich mit Süßwasser
nach und ich hängte die Hose im Salon zum Trocknen auf. Ich habe
noch bis 24.00Uhr Wache. Dann hörte ich bis 1.15Uhr einem Gitarrenkonzert
zu und habe teils sogar mitgesungen. Ich liege in der Koje und
schreibe bis 1.30Uhr diesen Text und schlafe darüber ein. Dicht neben meinem
Kopf rasselt die Ankerkette, wir sind also etwa 10sm vor dem Fjord
bei den vorgelagerten Inseln angekommen. Ich schlafe wieder ein
und höre im Unterbewusstsein wie die Ankerkette wieder aufgeholt
wird und wieder runterrasselt und wieder aufgeholt wird und wieder
und wieder...Traum oder Wirklichkeit?