Wissenschaftsstandort Nyalesund und
die Koldewey-Station des Alfred-Wegener-Instituts leider nur von außen.

Leonore:
Heute Morgen, Dienstag den 26.Juli, sind wir nach Ny Alesund rüber getuckert. Die Fahrt hat unerwartet lange gedauert. Ich kann Entfernungen immer noch nur sehr schwer einschätzen. Erst mal gucken wir uns ein bisschen die "Stadt" an. Der Unterschied zwischen alt, neu und sehr modern ist verblüffend krass. Neben alten schwedischen, kasernenartigen Gebäuden stehen neuere Wohnhäuser und ganz neue, wissenschaftliche Einrichtungen. Nach dem Mittagessen gehen wir zur Koldeweystation des Alfred-Wegener-Instituts und bekommen dort von Anne das Wetter und die Umwelt, eher ihre Erforschung, erklärt. Anne ist seit März dort und für dieses Jahr die verantwortliche Wissenschaftlerin. Außerdem gibt es noch einen Ingenieur und einen Praktikanden. Ob das Personal bei den Stationen anderer Nationen auch so aussieht weiß ich nicht. Aber die chinesische Station hat zwei dieser gelockten Hunde aus Stein vor der Eingangstür zu stehen, sodass wir zu erst die Vermutung hatten, hier gäbe es ein chinesisches Restaurant. Bei der Koldeweystation konnten wir auch sehen, wie ein Wetterballon gestartet wurde. Dieser zerplatzt in 30-40 Kilometern Höhe, nachdem er durch die Druckverhältnisse auf riesige Größe angeschwollen ist. Die Geräte, die an ihm hängen, fallen irgendwo runter und werden meistens nicht wieder gefunden. Dann machen sich ein paar von uns mit Hans auf den Weg, Polygonböden zu finden. Es regnet die Hälfte der Zeit und wir finden nur Moor und große Flächen Polarweidenwälder, die Bäume sind allerdings nur drei Zentimeter klein und haben 2 bis 4 Blätter. Dazwischen stehen ab und zu Nachttischlampenblumen (ihre Blüten sehen so aus), arktischer Mohn und fleckenweise Moos und Sumpf und Modder und Wasserrinnsale. Hans erklärt alles was mit dem Moor zu tun hat Gabriel, der es dann mir erklärt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Als wir wiederkommen gibt es Abendbrot und dann ab unter die öffentliche Dusche in Ny Alesund! Herrlich! Nach einer Woche mal nicht Wasser sparen müssen und einfach nur duschen können! Zwischenzeitlich legt neben uns immer und immer wieder das gleiche Küstenwachschiff an und ab, an und ab, an und... Da ist wohl ein Fahrschüler am Werk gewesen und hat vorwärts einparken geübt. Ich lasse die Seele mit den Beinen baumeln und lese. Zum Schlafen muss ich doch wieder in Nils und Finders Kabine, weil Hans und Kalle unwahrscheinlich schief im Duett schnarchen. Und was wirklich eigenartig ist, Finder schnarcht nicht! Zora will es mir absolut nicht glauben. Und als Anke irgendwann in dieser Kabine pennt, schnarcht er wohl wie verrückt. Tja, Glück muss die Leo haben.
Kalle:
Mitten im Ort gab es eine Poststation, diese war allerdings nicht besetzt. Es war also ein mit einer Hütte umbauter Briefkasten. Es gab einen Stempel mit einem Eisbären, den konnte man sich selbst auf Karte oder Brief stempeln. Schwierig war nur, es gab keine Briefmarken.
Die ständigen norwegischen Einwohner von Spitzbergen dürfen seit 2002 ihren Sysselmann, der ist gleichzeitig Gouverneur, Bürgermeister und Polizeichef von Spitzbergen, selbst wählen. Bis dahin wurde er von der Norwegischen Regierung eingesetzt.
Sein Wort ist also Gesetz, und kein Tourist geht ohne seine Zustimmung an Land oder gar auf eine Inlandtour. Die Kreuzfahrtgesellschaften regeln das pauschal. Wir mussten am Anfang auch etwas auf die entscheidenden Worte warten.
Wichtige Verhaltensregeln werden vorgeschrieben:
An Stellen, die von besonders vielen Touristen besucht werden, wie Longyearbyen oder Ny Alesund, gibt es nicht nur Souvenierläden mit dem Angebot von Bärenfellen, Rentierfellen, Fossilien, Mineralien und einheimischem Touristentand, sondern auch Aufsteller mit Pictogrammen und Text über sachgerechtes Verhalten und historischen Hintergrund.