Abenteuer im Magdalenenfjord

Hier, so wurde uns gesagt, gibt es den schönsten und einen der aktivsten Gletscher Spitzbergens zu sehen. Vor einigen Jahren waren es wohl noch drei, der eine ist aber schon soweit abgetaut, dass er nur noch ein sogenannter toter Gletscher ist.
Als wir in den Fjord einliefen, stand ich am Steuer, zum Glück war ich fit, denn ich musste um viele Eisschollen und -brocken herumkurven, weil die Fotographen so nah wie möglich an den Gletscher heran wollten. Und das war ein Schauspiel! Die Sonne schien, das Eis und das Wasser blendeten, der Gletscher erstrahlte wieder in sämtlichen Blau- bis Rosatönen und wir kamen auf dem Rückweg, als Anke am Steuer stand, da ich keine Sonnenbrille hatte, an einem Eisberg vorbei, der stark an einen himmelblauen Duschvorhang erinnerte. Die Sonne beschien ihn von hinten und wir konnten die einzelnen Jahreseisschichten sehen. Die Schichten standen senkrecht, offensichtlich war er nach dem Abbrechen umgekippt. Das sah echt irre aus!
Wir ankern vor einer Landzunge, so dass wir immer den herrlichen Blick auf den Gletscher haben. Auf der Landzunge ist ein Hügel mit vielen denkmalgeschützten Gräbern von Robbenjägern, Seglern und Trappern. Dieser Friedhof ist umzäunt und an Land daneben ist eine kleine Hütte, in der während des Sommers zwei Polizisten wohnen und aufpassen, dass niemand die Gräber zertrampelt bzw. "Souveniers" erntet. Denn hier kommen sämtliche Kreuzfahrtschiffe vorbei und kippen die Kreuzfahrttouris an Land.
Unweit dieser Hütte sahen wir noch ein unscheinbares Zelt. In diesem, so stellte sich heraus, leben ebenfalls für diese Saison zwei Guides. Diese sind von den Kreuzfahrtgesellschaften angeheuert, für jedes Kreuzfahrtschiff das hereinkommt, die von der Regierung vorgeschriebene Bärenwache zu übernehmen. Es braucht also nicht jedes Schiff zwei eigene Jäger mitzubringen. So ist aber auch sichergestellt, dass alle Kreuzfahrer, wenn überhaupt, dann hier geleichtert werden, und alle anderen Gegenden dieses kargen Landes verschont bleiben.
Gabriel ging mit einem der Überlebensanzüge baden und hatte viel Spaß, vor allem weil immer einer rief "Gabi wink mal", "Gabi spiel mal tot", "Gabi mach mal das... oder doch eher jenes...". Etwas später fanden sich noch einige Nachahmer.
Cornelius hatte inzwischen ein bißchen Gletschereis aus dem Wasser gefischt und nun wurde gegen Mitternacht der Whisky ausgepackt, in die stilvollen, weißen IKEA-Tassen gefüllt und mit echtem Gletschereis getrunken. Ich ging so um halb 1 schlafen und schaute noch eine Weile aus dem Skylight über mir in den strahlend blauen Himmel und konnte es mal wieder nicht fassen, dass hier die Sonne nie unterging...
Am morgen beschlossen wir, einen fahrtfreien Tag einzulegen. Das Wetter war ausgesprochen sommerlich. Herrlicher Sonnenschein und 15-16 Grad Celsius Höchsttemperatur verleiteten einige unserer jungen Leute zu einem Kurzbad ohne jeden Anzug im Fjord. Das hieß aber wirklich nur reinspringen und sofort zur Leiter zurück, denn bei 3 Grad Wassertemperatur ist das wirklich nur für Sekunden zu ertragen.
Wir haben uns gesonnt und ausgeruht und voller hochnäsiger Verachtung die Landungsmanöver der Kreuzfahrer beobachtet und kommentiert, es dauerte aber nicht lange, und wir kamen auf die Idee, dass wir auf unsere Art, wenn auch abenteuerlicher, so doch bestimmt nicht besser sind. Gegen Ende dieser etwa 6-stündigen Aktion zog innerhalb von 15 Minuten so starker Nebel auf, dass wir die "Princess Danae" während ihrer Ausfahrt aus dem Fjord nur noch als schwachen Schemen wahrnehmen konnten.