Ankern Zwischen Smerenburg und Danskoya

Leonore:
Von wegen Traum oder Wirklichkeit... Es war pure, eiskalte Realität! Wir hatten diese Nacht die Wachen gewechselt, so dass wir jetzt die von 4:00 - 8:00 Uhr hatten. Ich hatte mich mit Anke abgesprochen, dass sie mich um 7 Uhr weckt, damit wir Frühstück machen konnten. Ich ging also erst halb 3 ins Bett, in der Annahme, lange schlafen zu können. Als Anke mich weckte, wankte ich aus der Koje, mit dem Gefühl, gerade mal 5 Minuten geschlafen zu haben. Im Salon saßen komischer Weise noch Nils, Hans, Onno und co. von der Wache vor uns und haben sich einen Schnaps genehmigt. Ich hab mich gewundert, warum die um 7 Uhr hier sitzen anstatt zu schlafen und fragte vorsichtig nach der Uhrzeit. 10 nach 4!!! Ich hatte gerade mal eineinhalb Stunden geschlafen! Die Wache vor uns hatte keinen Ankergrund gefunden und so mussten wir noch weitersegeln, um eine geeignete Bucht zu finden. Toll. Als wir dann endlich dachten, es wäre so weit, ließen wir den Anker runter. Und fanden keinen festen Grund. Also musste sich Klemens wasserfest anziehen und in die Ankerkammer kriechen, um die Kette vor dem Verheddern zu bewahren. Ich hielt die Taschenlampe und so froren wir in dem Lärm der rasselnden Kette vor uns hin. Als wir an Deck kamen sahen wir die Bescherung: Der Anker war nicht zu sehen, er war voller riesiger Algen und krausem Unterwasserkraut. Das hieß Bootshaken schnappen und den Anker von seiner pflanzlichen, sehr hartnäckigen Last befreien. Anke, Klemens und ich lösten uns dabei im Fünfminutentakt ab, weil man den Haken einfach nicht länger halten konnte. Anja sah so verschlafen aus, dass wir sie gar nicht mit eingebunden haben, und die anderen unserer Wache haben einfach weiter geschlafen. Als der Anker frei war, ließen wir ihn an einer anderen Stelle runter mit dem gleichen Ergebnis. Klemens musste wieder die Kette aufrollen, ich die Taschenlampe halten und dann ging's wieder ans Algenzerfetzen. Diesmal ging es schon schneller, man musste den Bootshaken in einer gewissen Weise drehen und dann vom Anker wegziehen. Als der Steuerbordanker beim dritten Mal immer noch nicht hielt, waren wir schon ziemlich genervt. Während wir noch mit der Säuberung beschäftigt waren, ließ York (der schon recht übermüdet war) den Backbordanker runter und beschloss dann, dass der jetzt festhält, er ist schließlich der Käpt'n und der Anker hat gefälligst auf ihn zu hören. Während Klemens schon wieder ganz beschmaddert aus dem Kettenkasten kam und von Anja geschrubbt wurde, bereiteten Anke und ich endlich das Frühstück vor und wir setzten uns dann alle völlig zerschlagen an ein Tischende und mampften vor uns hin, wobei unsere Unterhaltung gar keinen sarkastischen Unterton hatte, neeein!!! Ich sagte noch, dass wir bei unserem Glück wahrscheinlich die gleiche Prozedur in unserer nächsten Wache noch mal durchmachen müssten. Hätte ich bloß nichts gesagt... Aber erstmal konnten wir alle ins Bett und schlafen! Während ich gemütlich vor mich hin träumte, gingen die ausgeschlafenen unter uns auf Wanderung. Da hat Gabriel diesmal herrliche Fotos geschossen. Pünktlich zum Mittagessen und zur Rückkehr der Wanderer wachte ich auf. Und nach 16 Uhr, also in "meiner" Wache, hieß es Anker heben! Zum Glück hat uns die fahrende Lovis und damit das an ihr vorbeiströmende Wasser sehr geholfen und die Algen flutschten fast(!) von selbst vom Anker. Unser nächstes Ziel war der Magdalenenfjord.