Vorbereitung
Irgendwann im ersten Drittel des Jahres 2004 erfuhr Leo von Madeleine, dass
der Fotoklub Potsdam einen Segelturn nach Spitzbergen organisiert und noch
ein Platz zu vergeben wäre. Nach der Bitte, sobald noch weitere
Plätze vakant
werden, mich und Gabriel ebenfalls in die Crew aufzunehmen,
gehörte bald ich
und dann kurz vor Weihnachten auch Gabriel dazu.
Leo übernahm die Verbindung zur Organisatorin Sandra Bartocha
und mir blieb
die Sorge um das Finanzielle überlassen. Eine Schwierigkeit
ergab sich aus
dem Problem der getrennten, selbst zu organisierenden Anreise. Leonore und
Gabriel fuhren mit Zug und Bus nach Tromsö und von dort mit dem
Flugzeug
nach Longyearbyen. Ich flog von Tegel nach Oslo und von dort in die
Hauptstadt Spitzbergens.
Wir kauften im Treckingladen und im Laden für Arbeitsbekleidung
warme Wäsche,
Jacken, Schuhe, Mützen und Handschuhe. Dabei erwiesen sich die deutlich
preiswerteren Sachen der Arbeitsbekleidung als gleich- oder
höherwertig im
Gebrauch an Bord und im Gelände.
Nun blieb nur noch das rechtzeitigen Überweisen der Reisekosten und der
Aufbruch.
Anreise
Als Erstes starteten die Kinder am 13.07.2005 um 21.30Uhr. Marita und ich
brachten die beiden zum Hauptbahnhof und lernten hier erstmals Sandra
persönlich kennen.
Mein Flug begann am nächsten Tag um 13.40Uhr am Flughafen Berlin Tegel. Ich
fuhr mit dem Taxi direkt bis zum Eingang des entsprechenden Flugsteiges und
kam ohne Komplikationen 1 1/2 Stunden später in Oslo an. Ich musste
hier, entgegen der Auskunft in Berlin, doch den Koffer entgegennehmen und durch
den norwegischen Zoll tragen. Das war eine ziemlich sinnlose Aktion, denn von
den Zöllnern war niemand zu sehen und so latschte ich unbehelligt durch.
Nun musste ich den Schalter suchen, um den Koffer wieder in das richtige
Flugzeug zu bekommen. Nach etlichem Fragen und Herumlaufen fand ich ihn und
wurde das Gepäck wieder los.
Jetzt hatte ich bis zum Weiterflug um 22.40Uhr viel Zeit. Leider regnete es
in Strömen und es lohnte sich nicht, nach Oslo hineinzufahren. So suchte ich
mir ein ruhiges Plätzchen am Rande eines Ausschankes und las im Buch über eine
Umrundung Svalbards mit einem Segelkutter. Zwischendurch rief ich zu Hause
an und gab einen ersten Bericht. Leider waren die Fernsprecher am Flugplatz von
Oslo die einzigen während der Reise, die mit Münzen gefüttert werden konnten.
Die vorher gekauften internationalen Telefonkarten der Telekom erwiesen sich
als Flop und rausgeworfenes Geld.
Pünktlich startete die Boing 707 in immer noch strömendem Regen.
Der Norden machte sich bemerkbar, es war um 22.30 Uhr immer noch dämmerig. Der Flug ging
über dichte Wolken, sodass von der Landschaft nichts zu sehen war. Nach etwa
einer Stunde ging die Sonne auf, um für mich in den nächsten 2 1/2
Wochen nicht mehr unterzugehen. Kurz nach Mitternacht begann der Sinkflug, ab
und zu war Fels, Wasser und Schnee zu sehen. Zum Ende hin schaukelten und
rüttelten wir durch ein Tal, es sah aus, als ob wir die Berge streifen müssten.
Noch eine steile Kehre und wir setzten parallel zum Fjord des
Adventdalen auf
der Rollbahn von Longyearbyen auf. Es war 0.30 Uhr, blauer Himmel, strahlender
Sonnenschein und es wehten bei ca 5°C ca 6-7 Windstärken.
Allein im fremden Land
Es war wunderschön und schrecklich kalt in meinen dünnen Sommerklamotten.
Ich beobachtete, wie alle anderen Mitreisenden in Busse stiegen und mit
offensichtlich festen Zielvorstellungen davonfuhren. Ich blieb mit meinem
Rollkoffer allein auf dem Vorplatz zurück, drehte, den Koffer im Schlepp,
eine grosse Runde und kehrte in die Flugplatzhalle zurück. Dort
sah ich eine
Treppe, die zu einer sehr großen Caféteria führte. Dort
war ich so früh der
einzige Gast. Ich suchte mein kümmerliches Englisch zusammen und
bestellte
Kaffe. Da durfte ich in eine grosse Tasse Nesscaffepulver löffeln
und mit
Wasser aufgiessen, Zucker und Milch nach Belieben: Kostenpunkt 20 Kronen.
Dann ging ich mit meinem Koffer aufs Klo und zog mich um. Unterhosen, warme
Socken, hohe Schuhe, Pullover, Pudel, Handschuhe usw. Dann noch einen Kaffee,
5 Postkarten und noch eine Stunde im Warmen verbracht. Das junge Mädel am
Tresen zeigte mir aus dem Fenster den ganz nahe liegenden Zeltplatz. Dort kam
ich gegen 03.00 Uhr an. Ich musste lernen, dass man hier immer die Schuhe
ausziehen muss, wenn man ein Zimmer oder ein Wohnhaus betritt.
Im Gemeinschaftsraum hörte ich englische und französische Laute, auch so
fremde, dass ich sie für finnisch hielt. Als ich wieder versuchte mit
Englisch voranzukommen, stellte ich fest, dass die junge Frau, die die
Zeltplatzverwaltung erledigte, aus Rangsdorf bei Berlin kommt und das
Sommerhalbjahr im hohen Norden verbringt. So wurde mir ein Zelt aufgebaut
(bei dem Wind hätte ich es selbst und allein kaum geschafft) eine Isomatte
ausgeliehen und dann versuchte ich zu schlafen. Das Zelt flatterte, es war
kalt, hell und hart. Gegen 6.00 Uhr zog ich alle warmen Sachen an, die ich
hatte, dazu Handschuhe, Pudel auf und über die Augen gezogen, Schlafsack
von innen zugezogen und endlich konnte ich schlafen, bis 11.00 Uhr. Dann
habe ich wieder eine von meinen mitgebrachten Stullen gegessen und etwas
Wasser getrunken. Die Kamera eingesteckt und auf nach Longyearbyen. Drei
Kilometer die Strasse zwischen Berg und Fjord entlang.
Als ich versuchte
näher zum Ufer zu kommen, griff mich ein Paar
Uferschwalben an, spritzten
mit Kot und hackten auf meinen Kopf ein. Das passierte mir in den nächsten
fünf Stunden noch zwei Mal, einmal mitten im Ort. Ich erwanderte mir die
ganze Hauptstadt in der kurzen Zeit, besuchte den
Friedhof, das
Museum,
die Kirche und das Einkaufszentrum. Leider hatten alle Läden schon
geschlossen (es war Sonntag). Die älteste Person die hier begraben liegt,
war 35 Jahre alt , die meisten wesentlich jünger. Als ich den Friedhof
verliess, hatten sich zwei Rentiere eingestellt, die sich bereitwillig aus
nächster Nähe fotografieren liessen.
Als ich ein paar Stunden später zum Ufer zurückkehrte sah ich einen Zweimaster
mitten im Fjord liegen, zu weit entfernt um seinen Namen zu lesen.
Also stellte ich den grösstmöglichen Zoom der Kamera ein, knipste
und lief so schnell ich konnte die drei Kilometer zum Zeltplatz zurück.
Im Zelt stellte ich abermals die stärkste Vergrösserung ein, suchte meine
Brille hervor und konnte endlich den Namen des Schiffes lesen:
Sie waren also da und die Fahrt konnte wie verabredet beginnen.
Jetzt brauchte ich nur die 22 Stunden herumbringen, die bis zur Ankunft
der Kinder noch vergehen mussten.
Ich erlebte Nebel, Regen, Schnee und Sonne und Fallwinde vom Gebirge zum Umhauen.
Schade, meine Segelhose ist zum Wandern ungeeignet. Sie ist vom Schweiss innen
klitschnass. Liege seitdem im Zelt und warte, dass die Zeit vergeht.
21.35...22.45 irgend wann schlafe ich wohl ein.
Sonntag, 17.07.2005
7.00Uhr, ausgeschlafen, hungrig, eine Stulle + Wasser, geduscht(kalt), Zahn
gewaschen, 7.15Uhr, noch 5h bis die Kinder da sind und 11h bis an Bord.
13.35Uhr, jetzt müssen sie bald landen. Sitze in der Cafeteria am Flugplatz
und lauere.
14.10Uhr, die Kinder sind da, ich merke erst jetzt, wie einsam und verkrampft
ich war, habe einen fetten Kloß im Hals, überwinde das und besorge draussen
einen Bus auf englisch, der uns alle für 40 Kronen pro Nase zum Hafen bringt.
Die Lovis liegt am Kay, es sind 8-9 Beaufort. Wir helfen den Vorgängern beim
Entladen und liegen beim Laufen schräg gegen den Wind.