Als wir uns am 14.Juli von Kalle und Rita verabschiedet hatten, musste ich schnell für Gabriel und mich noch einen Fahrschein bis nach Berlin kaufen und gesellte mich dann zu ihm, Sandra und Mark. Am Ostbahnhof in Berlin angekommen, mussten wir noch auf Zora und Kathi warten. Nachdem Sandra und Mark durch sämtliche Geschäfte auf der Suche nach etwas Trinkbarem gelaufen waren, hatten sich die zwei immer noch nicht eingefunden. Also wurde das Handy rausgekramt und angerufen, und es stellte sich heraus, dass die beiden schon oben am richtigen Gleis standen und auf uns warteten... Absprechen ist immer gut! Und dann kam auch schon unser Nachtzug nach Malmö. Die Hitze am Bahnhof war echt nicht mehr auszuhalten und im Zug konnte man dann durch's Fenster einen kleinen Luftzug hereinlassen. Kathi und ich konnten die ganze Nacht kaum schlafen, ich habe, als wir auf der Fähre mal für drei, vier Stunden still standen, ein wenig gedöst. Die anderen haben aber gepennt wie die Murmeltiere. Etwas zerschlagen kamen wir dann in Malmö an und konnten nach relativ wenig Wartezeit um 10 Uhr in den Zug nach Stockholm steigen. Kalte Regionalzüge sind nichts gegen die Eiseskälte, die hier aus der Klimaanlage kam! Und das nach so einer Nacht! Naja, in Stockholm hatten wir dann endlos scheinenden Aufenthalt von, ich glaube, 5 Stunden. Wir hatten also viel Zeit, um zu essen, rumzulaufen, zu lesen, ins Internet zu gehen und zu dösen. Dann endlich war es soweit. Wir stiegen in den Zug nach Narvik (ca. 18 Uhr), und hatten, oh Schreck, so wenig Platz!!! Im Nachtzug nach Malmö hatten wir ja einen Liegewagen, aber jetzt 19 Stunden nur sitzen! Es war wirklich ein Graus! Die Zeit wollte einfach nicht vergehen, auch nicht mit Skat spielen, lesen und dem ganzen anderen Kram, den man so macht, wenn's einem langweilig wird, zum Beispiel quatschen oder sich die wahnsinnig abwechslungsreiche schwedische Gegend angucken, die nur aus Bäumen, Bäumen und Bäumen bestand. Sehr spät am Abend fuhren wir an einem Schild vorbei, auf dem Polcircle draufstand. Wieder eine Etappe geschafft! Irgendwann wurden wir dann doch müde und versuchten, uns auf den Sitzen einzurichten. Zora legte sich auf den Boden, mit dem Kopf halb auf dem Gang, Sandra und Kathi teilten sich drei Sitze, so wie Gabriel und ich. Wobei sich Gabi mit seinen langen Gräten auf einem zusammen rollte und, man mag es nicht glauben, tatsächlich schlafen konnte! Er hatte noch auf die Uhr geguckt, wie lange es Nacht war: Zwischen 0:25 und 0:35! Ganze 10 Minuten Dunkelheit, dann begann schon die Morgendämmerung. Wir werden sie erst in 2 Wochen wiedersehen. Um die Mittagszeit, es ist inzwischen der 16. Juli, kommen ein paar lustige Amis in unser Wagenstück und wir bestaunen gemeinsam die Landschaft und haben endlich mal angenehme Ablenkung von unseren eingeschlafenen Gliedmaßen und tauben Hintern. Die Reisegruppe ist in ganz Europa unterwegs, von Sankt Petersburg bis nach Paris, glaub ich. Eine von ihnen war Biolehrerin und hat unverschämt gute Zeichnungen von einheimischen Blumen gemacht, da meldeten sich ganz leise der eine und andere Selbstbewusstseinsdämpfer. Und dann endlich, der lang ersehnte Bahnhof in Nordnorwegen: Narvik! Inzwischen hatte sich auch die Landschaft arg verändert: Schroffe Felsen, hohe Berge, Schneeflecken, glitzernde Flüsse und Seen (wobei wir auch schon in Schweden herrliche Seen mit Inseln drin gesehen haben, die Inseln waren selbstverständlich mit Bäumen bewachsen, was anderes scheint es da nicht zu geben) und strahlend blauer Himmel. Zum Glück hatte der Bus nach Tromsö Verspätung, der Zug kam nämlich eine dreiviertel Stunde zu spät an. Ich hatte schon Angst, dass wir jetzt in so einen blöden Linienbus steigen müssen, wie es sie in Deutschland gibt. Aber nein, es war ein richtiger Reisebus, wo unten ganz viel Platz für Gepäck war, so dass wir diesmal nicht alles irgendwo verstauen mussten, sondern alles halbwegs auf einem Platz hatten. Und dann begannen vier Stunden schönster Busfahrt. An glasklaren Fjorden vorbei, um sie herum, durch Schluchten, über Serpentinen, im Sonnenschein, der einzelne Schneeflecken glitzern ließ... Es war unbeschreiblich schön! In Tromsö am Busbahnhof wartete Jürgen auf uns. Er und seine Frau Anka waren schon seit zwei Wochen unterwegs und sind urlaubsmäßig die ganze Strecke mit dem Auto gefahren. Sie hatten hinter der riesigen Brücke, gegenüber vom Flughafen, ihr Zelt aufgeschlagen. Dort gab es etwas Warmes zu essen und selbstgepflückten Tee. Zora und ich sind dann ein Stückchen weiter gelaufen und haben uns da im eiskalten Wasser eines Süßwasserzuflusses gewaschen. Gabriel ist einfach vom Steinwall ins Wasser gesprungen, der Irre. Dann wurde entschieden, dass wir im Flughafen übernachten wollen, weil das Zelt allein schon mit unserem Gepäck überfüllt war. Jürgen fuhr Gabi und Kathi mit sämtlichen Taschen da hin, und Zora, Sandra und ich sind gelaufen. Die Brücke war irre hoch und das Wasser des Fjordes sehr sehr klar. Man konnte in der Nähe des Ufers bestimmt 5 Meter tief gucken. Und ich war sehr überrascht, wie groß Tromsö ist. Ich hätte nicht gedacht, dass so weit nördlich so viele Menschen wohnen, wo es doch fast ein halbes Jahr lang dunkel ist. Im Flughafen wartete die nächste Überraschung auf uns. Dort standen drei grüne Plüschsofas in der Ecke und warteten nur darauf, von uns in Beschlag genommen zu werden. Also haben wir unsere Klamotten hin geschmissen und uns häuslich eingerichtet. Nachts gegen halb zwei kamen dann zwei Wachmänner an. Ich war gerade eingeschlafen, indem ich mir einen Schal über die Augen gelegt hatte, da wurde ich wach. Kathi konnte ja kaum Englisch, also hab ich die beiden Männer bittend angeguckt und gefragt, ob wir hier drin übernachten dürften. Der eine hat seinen Vorgesetzten oder so angrufen und wir durften tatsächlich da bleiben! Stell sich das mal einer hier bei uns vor, in einem Flughafen, der abgeschlossen werden soll, übernachten... So gegen 10 Uhr morgens, inzwischen ist der 17. Juli angebrochen, obwohl man kaum von anbrechen sprechen kann, da es doch keine Nacht gab, die hätte aufhören können, kamen Anka und Jürgen. Zora und ich sind raus, an den Fjord und haben dort große Muschelschalen gefunden, die in den schönsten Perlmuttfarben glänzten. Dann, dreiviertel 1, kommt der Flieger aus Oslo, in dem noch einige Mitreisende sitzen, wir kommen dazu und endlich bricht die letzte Etappe unserer Odysee an. 1 1/2 Stunden bis nach Longyaerbyen. Als ich aufwache überfliegen wir gerade irgendeinen Küstenabschnitt. Davor tümmeln sich Eisschollen, fast schon -berge. Das Land ist größtenteils mit Schnee bedeckt, nur ab und zu gucken Bergspitzen raus und hier und da blinkt ein zugefrorener See. Und das alles Mitte Juli. Dann kommt eine rabiate Landung, weil die Landebahn extrem kurz ist und wir können aussteigen. Im ersten Moment dachte ich, der Pilot hat vergessen die Turbinen auszuschalten. Ich bin fast umgekippt, so stark wehte der Wind! An Deck der Lovis hatten sie 9 Windstärken gemessen, gegen die wir uns stemmen mussten, um ins Gebäude des Flughafens zu kommen. Hier war nun wirklich alles ganz klein, auf's aller Nötigste reduziert und so, wie ich es mir schon in Tromsö vorgestellt hatte. Und dann stand da Kalle! Was hab ich mich gefreut! Die lange Anreise war zu Ende, die richtige konnte losgehen und da stand Papa und hat sich gefreut wie ein Schneekönig! Endlich.