Die Kinder und weitere Teilnehmer trafen pünktlich ein. Es gab eine herzliche und ausgelassene Begrüßung. Ich war so gut aufgelegt, dass ich es schaffte, ohne weiter nachzugrübeln, einen Busfahrer anzusprechen und eine Fahrt für uns alle zum Hafen zu organisieren. Die Feinheiten besorgte dann aber doch Sandra mit ihren deutlich besseren Englischkenntnissen. Als wir im Hafen ankamen hatte die Lovis bereits festgemacht. Wir halfen den noch an Bord befindlichen Pfadfindern ihre Lebensmittel von Bord zu schaffen. Bei etwa 9 Windstärken eine anstrengende Plackerei. Die Duschen im Hafenoffice waren eine willkommene, und längst vermisste Gelegenheit zu einer gründlichen Reinigung. Kurz nach 17.00Uhr konnten wir endlich selbst an Bord gehen. Hier musste erstmal der Streit um die Kammern bestanden werden. Wir (Gabriel, Leo und ich) gingen friedlich und ohne zu Murren in die unbeliebte Kammer mit den acht Kojen. Es gibt auf Grund der Enge keine andere Möglichkeit seine Sachen unterzubringen, als diese mit in die Koje zu nehmen. Das ging aber erstaunlicherweise sehr gut. Selbst der fast 2m große Gabriel hatte genug Platz. Da wir aber die ersten waren, die diese Kammer bezogen, konnten wir drei wenigstens die oberen Kojen beziehen. Dadurch entgingen wir dem hin und wieder von den Skylights tropfenden Wasser und niemand musste über unsere Kojen klettern.
Die erste Arbeit an Bord war das Umstauen der Lebensmittel. Wir holten sie aus der Kammer, in der sie seit dem Start der Lovis im Frühjahr auf uns warteten und stauten sie in die Sitzbänke im Salon. Claudia überwachte das und legte einen genauen Plan an, was wo verstaut wurde. Das erste Essen an Bord wurde gekocht, es gab Spaghetty und Pesto bis zum Platzen. Anschliessend wurden die Wachen eingeteilt und der Plan für Montag besprochen... Ich gehe um 23.10Uhr zum ersten Mal an Bord der Lovis schlafen, penne bis 3.30Uhr. Habe die Ankerwache von 4.00-6.00 mit Anne und bleibe anschliessend auf, herrlich, dieses Seefahrtgefühl. Um 8.00Uhr Frühstück mit viel Kaffee und anregenden Gesprächen mit Onno und Anne. Der Vormittag vergeht an Deck mit Gucken und Schiffe beobachten. Die Einkäufer holen die bestellten Kartoffeln vom Supermarkt. Leo ist gegen 12.00Uhr zur Post gerannt, um noch Karten und Briefmarken zu besorgen, hat es allerdings nicht geschafft. Sie muss um 13.00Uhr wieder hier im Hafen sein. Das ist jetzt das Ende unserer Einzelaktionen. Von nun an tickt alles nach Bordzeit und Schiffsbedürfnissen. Es stellt sich heraus, dass wir noch auf ein zustimmendes Wort des Sysselmannes (Gouverneur) warten müssen, bevor wir unseren Seetörn beginnen dürfen. Er ist augenblicklich nicht zu erreichen. Wir gehen also nochmals an Land. Gabriel, Leonore und ich machen noch einen Rundgang durch Longyearbyen, versuchen vergeblich, zu Hause anzurufen und rennen dann zum Schiff, nur um festzustellen, dass der Sysselmann noch nicht zu sprechen war. Wir bunkern inzwischen 1500l Diesel. Dann kommt endlich grünes Licht vom Gouverneur und es geht los. Vom gestrigen Wind ist nichts mehr zu spüren. Wir müssen die Maschine bemühen. Gehen Anker auf, verlassen das Adventdalen (hier schmiegt sich Longyearbyen an die "Spitzen Berge") und nehmen Kurs auf die Ymersbukta, ein Seitental des Isfjordes nordwestlich von hier. Dort soll ein Gletscher zu erwandern sein.
Nun hat das Abenteuer vollends begonnen.
Einige Stunden später an diesem Montag fiel der Anker in der Ymersbukta. Die Nacht verging mit dem regelmäßigen Wachwechsel und den Anker- sowie Positionskontrollen ruhig und Ereignislos. Wenn man den dauernden Tag, die rund um die Kompassrose wandernde Sonne und den damit verbundenen Lichtwechsel nicht rechnet.
Es wird Zeit, dass ich die Wachen vorstelle:
1.Wache 2.Wache 3.Wache
Anke Bärbel Anja
Finder Wenzel Niels
Leonore Zora Barbara
Eberhard Melanie Onno
Gabriel Kalle Claudia
Anja Angelika Kathi
Klemens Giesbert Cornelius
Jürgen Ulli Sandra
Doris Anne Hans
Maik Carsten Ine
0-4 Uhr 4-8 Uhr 8-12 Uhr
12-16 Uhr 16-20 Uhr 20-0 Uhr
Denn eines ist klar, so sicher wir in den nächsten Tagen keinen Hafen anlaufen können um eventuell vergessenen Sachen zu kaufen, genauso nötig ist es, unser Schiff in diesen gefährlichen Gewässern Tag und Tag (Nacht gibt es ja keine) zu bewachen.